Abschied

"Ich danke dir für deine Freundschaft und werde dich nie vergessen. Lass es krachen, da oben im Himmel."

Kurz nach Weihnachten ist eine gute Freundin von mir gestorben. Sie wurde nur 41 Jahre alt.

Ihr Tod kam für mich so plötzlich, obwohl ich wusste, dass sie sehr krank war. Doch ich hatte immer Hoffnung, dass sie noch viele weitere Jahre leben wird.

Meine Freundin hatte Brustkrebs, der bereits gestreut hatte. Sie unterzog sich mehrerer Therapien, die sie alle viel Kraft gekostet haben , aber sie hat es immer geschafft und noch vor 3 Wochen zeigte sie mir, dass ihre Haare wieder gewachsen sind.

Nun ist sie tot. Ich kann es nicht glauben. Es erscheint mir alles so irreal. Ihr Körper hat zuletzt nicht mehr mitgemacht. Sie hinterlässt eine Familie mit Mann und 2 Kindern. Ich kann es einfach nicht glauben. Mir tut alles so unfassbar leid.

Sie war ein so feiner Mensch. Hatte immer ein offenes Ohr. Sie lächelte meist alles weg und zeigte nie, wie schlecht es ihr wirklich ging. So hatte man auch nie das Gefühl, dass ihr Zustand so schlimm war.

Immerzu muss ich an sie denken. Ich vermisse sie so sehr, kann mir gar nicht vorstellen, dass ich sie nun nirgendwo mehr sehen werde.

Erst kurz vor Weihnachten wurde mir bewusst, dass ihr Zustand so kritisch ist, dennoch machte ich einfach weiter. Schmückte den Weihnachtsbaum, kaufte Geschenke, überlegte mir, was wir an Heiligabend essen können. Aber alles kam mir so unsinnig vor. Ständig fragte ich mich, was das alles soll?

Wie kann das sein, dass eine junge Frau mit kleinen Kindern einfach so aus dem Leben gerissen wird? Ich kann diesen Gedanken kaum ertragen.

Immer wenn ein Mensch so früh und tragisch aus dem Leben gerissen wird, frage ich mich, ob ich vielleicht die Nächste sein werde. Der Tod macht mir unglaublich Angst. Ständig denke ich, dass ich irgendeine todbringende Krankheit habe und ich schäme mich dafür, dass ich nicht einfach mein Leben genieße. Ich bin gesund und sollte doch einfach glücklich sein. Stattdessen deute ich jedes Signal meines Körpers und verbinde es mit schlimmen Krankheiten.

Bei schlechten Nachrichten zieht sich bei mir alles zusammen und mir wird schlecht und schwindelig. Ich kann für einen kurzen Moment nicht richtig tief durchatmen und mir kommt es dann so vor, als würde ich mich in einer Blase befinden und bewege mich wie auf Gummibeinen durch meinen Alltag.

Warum?

„Liebe Katia,

ich hoffe sehr, dass es dir nun gut geht. Wo auch immer du jetzt sein magst. Ich hoffe sehr, dass du in den letzten Stunden deines Lebens keine Schmerzen und keine Angst hattest. Und dass du gemerkt hast, dass du nicht alleine warst. Deine Familie war bei dir und hat sich verabschiedet und viele Menschen haben dir noch Nachrichten geschrieben und an dich gedacht.

Ich musste und muss immer noch die ganze Zeit an dich denken. Sehe dich immer noch mit deiner Bommelmütze und eurem kleinen Hund den Weg am Kindergarten zur Schule langgehen. Habe immer noch deine Stimme im Ohr, vermisse unsere Gespräche und das gemeinsame Lachen.

Wie soll das hier nur ohne dich weitergehen? Mit wem soll ich jetzt zum Beispiel über denn Irrsinn in unserer Grundschule besprechen und mir einen Rat holen? Ich weiß es nicht.

2020 hat einfach ohne dich angefangen. Ich kann das nicht glauben.

Ich danke dir für deine Freundschaft und werde dich nie vergessen. Lass es krachen, da oben im Himmel.“

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